Seit dem 1. Januar 2026 hat Frankreich PFAS in Kosmetik offiziell verboten, weltweit ein Novum. Grundlage sind das Gesetz Nr. 2025-188 vom 27. Februar 2025 und die Durchführungsverordnung 2025-1376 vom 28. Dezember 2025. Wenn Sie eine White-Label-Marke führen oder als Auftraggeber mit einem Kosmetiklabor arbeiten, müssen Sie jetzt handeln: Rezepturen prüfen, betroffene Stoffe identifizieren und die Reformulierung planen. Die Europäische Union bewegt sich in dieselbe Richtung (Omnibus VIII, REACH-Revision), und die USA bereiten eine eigene FDA-Regelung vor. Dieser Praxisleitfaden gibt Ihnen alles an die Hand, um konform, wettbewerbsfähig und gelassen zu bleiben.
PFAS: Definition, chemische Gruppen, Gründe für das Verbot (in 90 Sekunden)
PFAS (Per- and Polyfluoroalkyl Substances), also per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, umfassen mehr als 10 000 synthetische Moleküle mit einer Kohlenstoff-Fluor-Bindung, einer der stabilsten Bindungen der organischen Chemie. Genau diese Robustheit macht sie problematisch: PFAS werden weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper abgebaut. Daher ihr Spitzname „Ewigkeitschemikalien“.
In Kosmetik kommen sie in mehreren Gruppen vor:
- Perfluoralkylcarbonsäuren (PFCA): PFOA, PFNA, PFDA, früher als Glättungsmittel und wasserabweisende Stoffe eingesetzt.
- Perfluoralkylsulfonsäuren (PFSA): PFOS und Derivate, enthalten in manchen Tensiden und Fixiermitteln für langhaftendes Make-up.
- Fluorpolymere: PTFE (Polytetrafluorethylen, alias Teflon®), als Texturgeber für ein seidiges Hautgefühl in Foundations, Lippenstiften und Pudern.
- Fluorsilikone: Rheologiemodifikatoren in Seren und Cremes.
- Perfluordecalin: Sauerstoffträger in manchen Anti-Aging-Pflegeprodukten und Masken.
PFAS bergen dokumentierte Gesundheitsrisiken: hormonelle Störungen, Immuntoxizität, Verdacht auf Karzinogenität (PFOA von der IARC als krebserregend der Gruppe 1 eingestuft) sowie Anreicherung in Muttermilch und Blut. Die Regulierung kommt also nicht überraschend: Sie war seit Jahren angekündigt.
Frankreich: was seit dem 1. Januar 2026 VERBOTEN ist (konkrete Liste)
Das Gesetz Nr. 2025-188 vom 27. Februar 2025 über per- und polyfluorierte Alkylverbindungen hat einen schrittweisen Verbotsrahmen geschaffen. Die Verordnung Nr. 2025-1376 vom 28. Dezember 2025 regelt die Anwendung für den Kosmetiksektor. Das ist in Frankreich seit dem 1. Januar 2026 verboten:
- Das Inverkehrbringen kosmetischer Mittel mit absichtlich zugesetzten PFAS, unabhängig von der Konzentration: Wird ein PFAS-Inhaltsstoff bewusst eingesetzt, ist das Produkt nicht konform.
- PTFE (Polytetrafluoroethylene) in allen Formen (mikronisiert, Pulver) in kosmetischen Rezepturen: Foundation, Concealer, Lippenstifte, Highlighter, lose Puder.
- Perfluorodecalin (PFD) in Masken, Seren und sauerstoffspendenden Cremes.
- Fluorierte Fixiermittel für langhaftende Produkte (wasserfeste Mascara, Eyeliner, 24h-Foundation).
- Fluorierte Tenside (Perfluoroalkyl Phosphate DEA usw.) in jeder Art von Rezeptur.
Was noch nicht verboten ist (aber beobachtet werden sollte): PFAS in unbeabsichtigten Spuren (Kontamination in der Lieferkette) werden vorläufig toleriert; die Grenzwerte legt die ANSM derzeit fest. In der Praxis ist es ratsam, Ihre gesamte Lieferkette zu prüfen.
Sanktionen: Bei Nichtkonformität kann die ANSM den sofortigen Rückruf der Chargen anordnen, Verwaltungsstrafen verhängen und im Wiederholungsfall ein Strafverfahren einleiten. Bei White Label haften der Hersteller UND der Auftraggeber.
EU: Omnibus VIII + laufender REACH-Vorschlag (Zeitplan 2026-2028)
Frankreich ist Vorreiter, doch die Europäische Union folgt dicht dahinter. Diesen europäischen Regulierungszeitplan sollte jede in der EU tätige Marke in ihre Planung aufnehmen:
- Universelle PFAS-Beschränkung unter REACH (2026): Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat ein universelles Beschränkungsdossier erhalten, das Deutschland, die Niederlande, Schweden, Dänemark und Norwegen gemeinsam eingereicht haben. Die öffentliche Konsultation endete 2023; die endgültige Entscheidung wird im Laufe des Jahres 2026 erwartet, mit sektorspezifischen Übergangsfristen von bis zu 5 Jahren je nach Verwendung.
- Omnibus VIII: EU-Kosmetikverordnung (2025-2026): Die Revision der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 enthält spezifische PFAS-Bestimmungen in den Anhängen II und III. Die fachlichen Beratungen laufen im Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS). Eine Aktualisierung der Anhänge wird für Ende 2026 erwartet.
- Revidierte REACH-Verordnung (2027-2028): Die Europäische Kommission bereitet eine grundlegende REACH-Revision vor, die einen Gruppenansatz (group approach) für chemische Familien wie PFAS vorsieht und damit faktisch die ganze Familie verbietet statt Stoff für Stoff.
Was das für Sie bedeutet: Wenn Sie in die EU exportieren (Belgien, Spanien, Italien, Deutschland…), verschafft Ihnen die französische Konformität bereits einen Vorsprung. Nutzen Sie ihn, um die europäischen Pflichten vorwegzunehmen, statt 2027 erneut unter Zeitdruck zu reformulieren.
USA: FDA-Vorschlag NPRM Mai 2026 (den US-Markt vorwegnehmen)
Der US-Markt verfolgt einen ähnlichen Kurs, aber in seinem eigenen regulatorischen Tempo. Die FDA hat für Mai 2026 die Veröffentlichung einer NPRM (Notice of Proposed Rulemaking) angekündigt, die den Einsatz von PFAS in in den USA verkaufter Kosmetik regeln soll.
- Aktueller Stand (April 2026): Mehrere US-Bundesstaaten haben bereits Gesetze erlassen: Kalifornien (SB 54 + AB 1200), Colorado, Maryland und Minnesota haben eigene PFAS-Verbote für Kosmetik, bereits in Kraft oder kurz davor.
- FDA-NPRM Mai 2026: Der bundesweite Vorschlag dürfte eine Kennzeichnungspflicht für absichtlich zugesetzte PFAS sowie Nachweisgrenzen für Spuren umfassen. Darauf folgt eine 90-tägige öffentliche Kommentierungsphase vor der endgültigen Regel (Horizont 2027-2028).
- White-Label-Marken mit Export in die USA: Wenn Ihre Kunden in den USA vertreiben, ist PFAS-Konformität in den strengsten Bundesstaaten bereits faktisch Pflicht. PFAS-freie Rezepturen ab heute sichern Ihnen den Zugang zum US-Markt ohne Notfall-Reformulierung.
Der weltweite Trend ist eindeutig: In 3 bis 5 Jahren haben absichtlich zugesetzte PFAS in keiner kosmetischen Rezeptur für OECD-Märkte mehr Platz. Wer jetzt handelt, verschafft sich einen Vorsprung vor dem Wettbewerb.
6 versteckte PFAS-Inhaltsstoffe in Ihren aktuellen Rezepturen (Audit-Checkliste)
Eine der häufigsten Fallen für White-Label-Marken: PFAS verstecken sich hinter INCI-Namen, die „Fluor“ nicht laut ausrufen. Die 6 häufigsten Verdächtigen, nach denen Sie in Ihren technischen Datenblättern suchen sollten:
- PTFE (Polytetrafluoroethylene): genauer INCI-Name „Polytetrafluoroethylene“. Enthalten in: losen Pudern, matter Foundation, langhaftenden Lippenstiften, Concealern. Funktion: Gleitmittel, seidiges Hautgefühl, Glanzkontrolle.
- Perfluorodecalin: Enthalten in: sauerstoffspendenden Masken, Anti-Aging-Seren. Funktion: Sauerstofftransport zur Haut.
- Perfluorononyl Dimethicone: Enthalten in: Foundations, BB Creams, Primern. Funktion: Modifikator für Textur und Glanz.
- Bis-PEG/PPG-20/5 PEG/PPG-20/5 Dimethicone: Manche Varianten enthalten fluorierte Ketten; prüfen Sie dies mit Ihrem Lieferanten.
- Perfluoroalkyl Phosphate DEA / MEA: Enthalten in: manchen Reinigungs- und Abschminkprodukten. Funktion: emulgierendes Tensid.
- Fluormodifiziertes Triethoxycaprylylsilane: Enthalten in: behandelten Pigmenten (Beschichtung für Wasserbeständigkeit). Prüfen Sie die Oberflächenbehandlung Ihrer Glimmer und Oxide.
Sofortmaßnahme: Fordern Sie von jedem Ihrer Rohstofflieferanten eine schriftliche PFAS-Konformitätserklärung (PFAS-free declaration) mit Analysedaten an (GC-MS oder LC-MS/MS je nach PFAS-Typ). Diese Dokumentation ist bei einer ANSM-Kontrolle oder einer Due-Diligence-Prüfung durch Kunden unverzichtbar.
Technische Ersatzstoffe: wie Sie PFAS in Ihren Rezepturen ersetzen (Emulsionen, UV, Langzeithalt)
Die gute Nachricht: Es gibt leistungsfähige Alternativen. Die Herausforderung liegt darin, den passenden Ersatz für die Funktion zu finden, die das PFAS in Ihrer Rezeptur erfüllt. Diese technischen Ansätze hat unser F&E-Team validiert:
Ersatz für PTFE (seidiges Hautgefühl, Mattierung)
- Modifizierte Maisstärke (z. B. Dry-Flo® PC): sehr gute Glanzkontrolle, vergleichbare Weichheit.
- Sphärisches Siliciumdioxid (z. B. Silica Dimethyl Silylate): ausgezeichneter optischer Weichzeichner-Effekt, gut etablierte Verwendung.
- Mikronisiertes Carnaubawachs: für Lippenstifte, sorgt für Gleitfähigkeit ohne PTFE.
- Lauroyl Lysine: natürliches Gleitmittel, biologisch abbaubar, hervorragend in losen Pudern.
Ersatz für fluorierte Langzeithalt-Wirkstoffe (Mascara, Eyeliner, Foundation)
- Filmbildende Acrylat-Copolymere (z. B. Dermacryl®, Aculyn™ 33): ausgezeichneter Halt, wasserbeständig ohne Fluor.
- Trimethylsiloxysilicate-Harze: sehr gute Abriebfestigkeit für Foundations.
- Hydrophobe Pflanzenwachse (hydriertes Jojoba, Reiskleiewachs): für Mascaras und Eyeliner.
Ersatz in Emulsionen und Seren (Perfluorodecalin, Fluorsilikone)
- Desodoriertes Jojobaöl: guter Träger für Wirkstoffe, gute Verfügbarkeit auf der Haut.
- Pflanzliches Squalan: ausgezeichnetes Ersatz-Emolliens für Seren mit hoher Penetration.
- Cyclohexasiloxane (D6) oder nicht fluoriertes Dimethicone: um die Leichtigkeit und das satinierte Finish von Emulsionen zu erhalten.
Jede Reformulierung muss durch beschleunigte Stabilitätstests (3 Monate bei 40 °C/75 % rF), Wirksamkeitstests (Wear-Test für Make-up, Penetration für Pflege) und je nach Claim durch dermatologische oder klinische Tests validiert werden. Der F&E-Zeitplan hängt von der Komplexität der Rezeptur ab und wird im Angebot je nach Projekt festgelegt.
Wie Carmel Cosmetics Labs Sie bei der PFAS-freien Reformulierung begleitet (Audit + F&E + Zeitplan)
Bei Carmel Cosmetics Labs begleiten wir White-Label-Marken von der Konzeption bis zur Markteinführung. Die PFAS-Konformität ist da keine Ausnahme: Wir haben ein strukturiertes Programm in 3 Phasen entwickelt, damit Sie wettbewerbsfähig bleiben, ohne Abstriche bei der Qualität.
Phase 1: PFAS-Audit Ihrer bestehenden Rezepturen
- Systematische Prüfung aller technischen Datenblätter (INCI-Listen) auf absichtlich zugesetzte PFAS.
- Einholen der Konformitätserklärungen der Lieferanten + Laboranalysen bei Bedarf.
- Vollständiger Audit-Bericht mit Prioritätenliste (rot/orange/grün) und Handlungsempfehlungen.
Phase 2: F&E-Reformulierung (Zeitplan je nach Komplexität der Rezeptur)
- Auswahl geeigneter technischer Ersatzstoffe für jede betroffene SKU.
- Entwicklung von Prototypen im Labor, mit Vergleich von Sensorik und Leistung gegenüber der Originalrezeptur.
- Beschleunigte Stabilitätstests (an Kosmetik angepasstes ICH-Q1A-Protokoll), Verträglichkeitstests mit der Verpackung.
- Vollständige technische Unterlagen zur Aktualisierung der Produktinformationsdatei (PIF).
Phase 3: Produktionsstart und regulatorische Dokumentation
- Industrielles Scale-up mit Validierung einer Pilotcharge.
- Aktualisierung der PIF, überarbeitete INCI-Kennzeichnung, Konformitätserklärung für Ihre Vertriebskunden.
- Begleitung bei der Kommunikation „PFAS-frei“ (Claim-Validierung, Marketingformulierungen).
Sie haben Rezepturen im Verkauf, die PFAS enthalten könnten? Warten Sie nicht: Die regulatorischen Fristen sind knapp und kompetente Labore sind schnell ausgelastet. Kontaktieren Sie unser Team noch heute für eine erste kostenlose Einschätzung.
FAQ (häufige Google-Fragen)
Sind PFAS in Kosmetik wirklich gefährlich?
Ja. Epidemiologische und toxikologische Studien bestätigen, dass sich PFAS im Körper anreichern (Bioakkumulation) und mit Risiken für hormonelle Störungen, Immuntoxizität und bei einigen (PFOA, PFOS) Karzinogenität in Verbindung stehen. Die Aufnahme über die Haut durch Kosmetik trägt zur Gesamtbelastung des Körpers bei, vor allem bei täglich verwendeten Produkten (Foundation, Lippenstift, der teilweise verschluckt wird).
Wie erkenne ich, ob mein Kosmetikprodukt PFAS enthält?
Prüfen Sie die INCI-Liste auf Begriffe mit „fluoro“, „perfluoro“, „polyfluoro“, „PTFE“ oder „fluoropolymer“. Fordern Sie zusätzlich von Ihrem Lohnhersteller oder Rohstofflieferanten eine schriftliche PFAS-Konformitätserklärung an. Für analytische Sicherheit können GC-MS- oder LC-MS/MS-Analysen am Fertigprodukt durchgeführt werden.
Welche Sanktionen drohen, wenn mein Produkt in Frankreich verbotene PFAS enthält?
Die ANSM kann den sofortigen Rückruf anordnen, den Verkauf nicht konformer Chargen sperren und Verwaltungsstrafen verhängen. Bei vorsätzlicher Gefährdung oder im Wiederholungsfall ist eine strafrechtliche Verfolgung möglich. Der Verantwortliche für das Inverkehrbringen (die Marke) steht in erster Linie in der Pflicht, auch wenn der Lohnhersteller beteiligt ist.
Was kostet eine PFAS-freie Reformulierung?
Die Kosten hängen von der Komplexität der Rezeptur, der Zahl der betroffenen SKUs und dem Bedarf an zusätzlichen Tests (Stabilität, Wirksamkeit, Verträglichkeit) ab. Rechnen Sie in der Regel mit 1 500 € bis 8 000 € pro Rezeptur für ein vollständiges Reformulierungsprojekt (Entwicklung + Tests + Dokumentation). Kontaktieren Sie Carmel Cosmetics Labs für ein individuelles Angebot für Ihr Sortiment.
Kann „natürliche“ oder „Bio“-Kosmetik PFAS enthalten?
PFAS sind zu 100 % synthetisch und dürfen in zertifizierter Bio-Kosmetik (COSMOS, ECOCERT) oder Naturkosmetik nicht vorkommen. Allerdings können Kreuzkontaminationen über Produktionsanlagen oder Verpackungen theoretisch PFAS-Spuren einbringen. Deshalb ist es wichtig, die gesamte Produktionskette zu prüfen, auch bei „Clean Beauty“-Linien.
Mein Lieferant sagt, sein Inhaltsstoff sei „PFAS-free“: Reicht das?
Eine mündliche oder werbliche Aussage reicht nicht. Verlangen Sie eine formelle schriftliche Erklärung (auf Briefpapier, unterschrieben), nach Möglichkeit mit Analysedaten. Bei einer behördlichen Kontrolle müssen Sie Ihre Sorgfaltspflicht nachweisen. Eine Erklärung ohne Analysedaten kann unzureichend sein, wenn die ANSM Ihre Chargen prüft.
Fazit: PFAS-Konformität als Wettbewerbsvorteil für White-Label-Marken
Das französische PFAS-Verbot in Kosmetik ist keine isolierte Vorgabe, sondern der Beginn einer weltweiten Regulierungswelle, die die Branche umgestalten wird. White-Label-Marken, die jetzt handeln, sichern sich einen entscheidenden Vorteil: Sie sind vor dem Wettbewerb konform, bereit für den europäischen und den US-Markt und können bei ihren Vertriebskunden mit „sicheren Rezepturen“ punkten.
Bei Carmel Cosmetics Labs sehen wir regulatorische Konformität auch als Chance, besser zu reformulieren: mit nachhaltigeren und transparenteren Inhaltsstoffen. Unser F&E-Team begleitet Sie gern vom ersten Audit bis zur Produktion Ihrer neuen PFAS-freien Rezepturen.
Lassen Sie sich nicht von der Regulierung überholen. Kontaktieren Sie Carmel Cosmetics Labs jetzt für eine kostenlose Einschätzung Ihrer Rezepturen und einen individuellen Maßnahmenplan.












































